Ein Gartenfreund, welcher bei der Gründung des Kleingartenvereins aktiv mitgewirkt und viel Einsatzbereitschaft zeigte, berichtet über die Entstehung des Vereins.
Als die Bitte an mich herangetragen wurde, aus der Geschichte des Kleingartenvereins „Panorama“ e. V. zu berichten, habe ich mich sehr gefreut, zumal es zum jetzigen Zeitpunkt doch viele neue Gartenfreunde gibt welche die Entstehung unserer Gartenanlage mit allen Höhen und Tiefen nur teilweise oder gar nicht kennen.
Als im Mai 1987 bei den künftigen Gartenfreunden die Einladung des damaliges VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) zur ersten Zusammenkunft für die Erschließung einer neuen Gartenanlage im Briefkasten lagen, war bei allen die Freude groß. Denn gerade die älteren unter uns wissen, es war zum damaligen Zeitpunkt einfacher, mit Bestellschein einen Trabant zu bekommen als einen Kleingarten.
Am 16. Oktober 1987 fand dann unter Leitung des VKSK die erste Mitgliederversammlung im damaligen Haus „Knacke“ statt. So mancher Gartenfreund hätte vielleicht mit der Kenntnis, was uns mit dem zugeteilten Land erwartet, seine Bewerbung zurückgezogen.
Die Fläche an der Zschiedge war durch die LPG enteigneter Privatbesitz. Eine Nutzung durch die LPG hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht, die Apfelplantage brachte keine Erträge und der Versuch, Tierhaltung durchzuführen scheiterte daran, dass die Tiere bei den Bodenverhältnissen nicht genügend Grashalme vorfanden. So entstand der Gedanke, wir übergeben das Land dem VKSK für eine Kleingartenanlage, die Gärtner werden sicher etwas daraus machen. Und ich möchte an dieser Stelle einfügen, die Gärtner haben etwas daraus gemacht.
Ausgestattet mit einem Bebauungsplan, einem tollen Aufbaustab und dem Arrangement von 120 zukünftigen Gartenbesitzern haben wir dann den Aufbau in Angriff genommen. Grundlage eines Aufbaues war auch damals die finanzielle Absicherung, jeder Gartenfreund zahlte für den Aufbau der Sparte 1750,00 Mark der DDR ein, diese Gelder wurden ausschließlich für den Aufbau der Gartenanlage eingesetzt.
Die ersten Maßnahmen waren vorrangig das Setzen eines Außenzaunes, das Vermessen und Anlegen des Wegeplanes, oder die Zufahrt für die Anlage zu befestigen. Wasser und Strom wurden uns zugesichert, doch die Zapfstellen befanden sich weit unterhalb unserer Anlage. So mussten weite Wege überbrückt werden, um diese Medien in unsere Anlage zu befördern. Und innerhalb der Anlage musste ein Verteilernetz für Wasser und Strom aufgebaut werden. Gartenfreunde haben sich wochenlang mit dem Ausmessen und dem Abstecken der einzelnen Gärten beschäftigt, damit der vorgegebene Bebauungsplan umgesetzt werden konnte. Uns stand zum Aufbau keine große Technik zur Verfügung, wir haben die Gräben noch mit der Spitzhacke angelegt, es musste noch viel Handarbeit geleistet werden.
Für mich als ehemaligen Vorsitzenden ist es heute noch erstaunlich, wie zum damaligen Zeitpunkt, wir schrieben noch DDR, von allen Seiten unserer Gartenfreunde Möglichkeiten aufgezeigt wurden, Materialien zu beschaffen. Aus dem damaligen Stahlwerk bezogen wir die Zaunsäulen, der Maschendrahtzaun wurde organisiert, verzinktes Stahlrohr war plötzlich kein Problem mehr und die Wasserbehälter sind ausrangierte Weinlagerungsbehältnisse, die wir uns in der Nähe von Pillnitz abholen konnten. Unter diesen Voraussetzungen und mit dem festen Willen aller Gartenfreunde haben wir uns dann diese Anlage aufgebaut.
Natürlich gab es beim Aufbau auch die eine oder andere Begebenheit, welche ein weinendes oder auch lachendes Auge hervorbrachte. Ich erinnere nur an ein, ins Tal rollendes Wasserfass, welches zum Glück auf den Schienen der Semmeringbahn (Windbergbahn) liegen blieb und keinen weiteren Schaden nach sich zog. Oder Gartenfreundinnen, welche nach dem Streichen des Maschendrahtzaunes mehr Farbe auf ihrer Kleidung als auf dem Zaun hatten.
Nachdem die Mitglieder ihre Pflichtstunden für den Aufbau der Gartenanlage abgeleistet hatten, konnte sich jeder einen Garten aussuchen und nun endlich mit dem Aufbau seines eigenen Kleingartens beginnen. Der Bebauungsplan sah das Errichten einer Fertigteillaube oder die, Stein auf Stein Variante vor. Jeder nach seinen Fähigkeiten, konnte sich jetzt in der eigenen Scholle austoben. Und Austoben konnte man sich, schon allein das Anlegen der Beete ging auf Grund des steinigen Bodens nur mit der Spitzhacke. So entstand die Kleingartenanlage Panorama. „Panorama“ war die Idee eines Gartenfreundes, welcher die tolle Sicht auf Freital und Dresden im Blick hatte.
Aber nicht nur der Aufbau der Anlage stand im Vordergrund, diese sollte und musste auch geleitet werden. Der Vorstand, ausgerüstet mit wenig Erfahrung, aber mit der Unterstützung des VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) hat sich in diese eingearbeitet. Eine Gartenordnung musste z.B. verfasst werden, unter anderem wurde die Abrechnung, wie in allen Kleingartenanlagen und auch heute noch üblich, verbrauchsbezogen ausgeführt. Der Kleingärtner verbraucht Wasser und Strom, das wurde ihm berechnet und mit diesem Geld, zusammen mit den Umlagen, wurden die Gesamtauslagen beglichen.
Und dann kam die Wende, Nicht nur politisch für uns entscheidend, sondern auch kleingärtnerisch. Die enteigneten Grundbesitzer erhielten ihr Land zurück und damit die Möglichkeit, Geld aus ihrem Landbesitz herauszuholen. Und das wurde fast gnadenlos ausgenutzt. Ich möchte hier nicht auf jede Einzelheit eingehen, aber die Verhandlungen wurden letztlich bis vor Gericht geführt. Das Ergebnis, waren Verträge, welche uns das Land als Kleingärtner zwar sicherten, aber auf Grund nicht eingehaltener Forderungen des Bundeskleingartengesetzes, einen höheren Pachtzins einbrachte. So zahlen wir zwar mehr Pacht, leisten uns aber Luxus. Zum Beispiel Wasser und Stromanschluss in den Lauben zu haben.
Auch die Forderung des TFG, als Nachfolger des VKSK wurden kleingärtnerisch nachhaltiger. So musste damals und auch noch heute in jedem Fall die kleingärtnerische Nutzung nachgewiesen werden. Und unter dem Motto, wir können jetzt nach der Wende machen, was wir wollen, mussten manchmal unliebsame Einschnitte erfolgen. Aber wir haben trotz vieler Probleme über 30 Jahre Kleingartenverein es mit Erfolg geschafft, immer wieder die sogenannte kleingärtnerische Gemeinnützigkeit ohne Auflage zu erhalten. Vielleicht auch dadurch, dass wir Badebecken nur in der gesetzlichen Größe gestattet haben. Sicher haben wir in den letzten Jahren seit der Wende immer wieder Wechsel von Gartenpächtern aus unterschiedlichen Gründen erlebt, aber schon aus Grund unserer territorialen Lage haben diese Gärten nicht lange auf einen neuen Besitzer warten müssen.
Liebe Gartenfreunde, dass sollte ein kleiner geschichtlicher Exkurs unseres Kleingartenverein sein, ein Dankeschön an die Gartenfreunde, welche von Anfang an bei der Verwirklichung unserer schönen Anlage mitgewirkt haben. Vielleicht nimmt der eine oder andere neue Gartenfreund die Erkenntnis mit, dass der Aufbau reizvoll, aber auch nicht immer einfach war, eine tolle Anlage ist, eine solide Grundlage zur Daseinsberechtigung geschaffen wurde, ohne gleich unberechtigten Kritik zu äußern.



In Kolonne ging es dann Richtung Freital
Die Fässer dienen heute noch als Wasser-Vorratsspeicher für den Verein














